Revolution-Krieg-Revolution. Von 1919 bis 2019. (Nr. 19401)

21.02.2019 bis 23.02.2019

In einer zufälligen Regelmäßigkeit kulminieren gesellschaftliche Entwicklungen in Deutschland im jeweils letzten Jahr eines Jahrzehnts. 1919 explodierte die Gewalt auf den Straßen Berlins: Braune gegen Rote, Kaisertreue gegen Republikaner, Arm gegen Reich, Unten gegen Oben. Große Teile der deutschen Gesellschaft waren traumatisiert vom Ersten Weltkrieg, litten in der Weltwirtschaftskrise und unter einer Politik, die scheinbar keine Sicherheit bieten konnte. Die Nazis profitierten davon und stießen mit ihrem Prinzip der Volksgemeinschaft, das alles Deutsche glorifiziert und alles Fremde verdammt und verfolgt, auf große Resonanz. 1939 sind die Deutschen wieder bereit zu einem Krieg, der noch mehr Elend, Schrecken und Gewalt bringen wird als der Vorgänger. Ein halbes Jahrhundert später versuchten Teile der ostdeutschen Gesellschaft eine Friedliche Revolution. Sie gehen auf die Straße und demonstrieren gewaltlos gegen das Regime der DDR. Und sie haben damit Erfolg. Nun befinden wir uns wieder am Ende einer Dekade und wieder spürt man in Deutschland eine Spaltung. Oder war sie nie weg? Wieder schreien Teile der Gesellschaft gegen „die da oben“, gegen „die Anderen, die Fremden“. Historiker ziehen gerne Linien und erklären aus der Vergangenheit heraus die Gegenwart. Doch ist dies richtig? Leben wir heute nicht in ganz anderen Zusammenhängen? Wir wollen an diesen drei Tagen daher nicht Geschichtsschreiber, sondern die Beobachter der jeweiligen Zeit befragen: Künstler, Kulturschaffende, Literaten. Was dachte Käthe Kollwitz, die die Skulptur „Mutter mit totem Sohn“ schuf? Das Bildnis steht heute in der Berliner Neuen Wache und ist den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft gewidmet. Wie beschreibt Erich Kästner sein Berlin, das immer mehr nicht mehr seins ist, seitdem die Nazis an der Macht sind. Was kann uns ein DDR-Dissident erzählen? Wie hat er den Herbst ´89 erlebt? Wie positionieren sich Künstler unserer Zeit zu Fremdenfeindlichkeit, Gewalt im Internet, Klimawandel und EU-Skepsis? Kommen Sie mit zu zahlreichen Gesprächen mit der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Deutschlands. In Berlin.

Leitung:
Wencke Stegemann

Kosten:
275,- € inkl. Bahn/Ü/F/DZ/Programm | EZZ: 65,- €